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OKDas Militär hat in Friedberg bereits eine Jahrtausende alte Tradition. Schon zu Beginn des 1. Jahrhunderts gab es ein römisches Lager auf dem Burgberg. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Errichtung der Burg und Gründung der Stadt. Ganz planmäßig. Herausragendes aus dieser Militärgeschichte ist nicht in Erinnerung geblieben. Dafür der zweijährige Aufenthalt eines Soldaten, der als King of Rock`n Roll in die Geschichte eingegangen ist.
Von 1958 bis 1960 leistete Elvis Presley in Friedberg seinen Wehrdienst, während er im nahegelegenen Bad Nauheim wohnte. Auf seinen Spuren möchte ich gerne wandeln und freue mich deshalb, an diesem Wochenende mit Silke zum Marathon anzureisen. Start und Ziel sowie die Organisation des Volkslaufes, der dieses Jahr in seine 47. Auflage geht, befinden sich in der Henry-Benrath-Schule. Das trifft sich gut, denn wir haben direkt daneben im Hotel eingecheckt.
Doch bevor es ans Eingemachte geht, nutzen wir die Gelegenheit, am Vortag Friedberg und Bad Nauheim zu erkunden. Schließlich wollen wir dem Idol von Millionen unsere Referenz erweisen. Wenn wir uns vorher Karten besorgt hätten, hätten wir heute sogar aus erster Hand etwas aus seinem Leben erfahren können. Im Jugendstil-Theater hält Priscilla Presley eine Vorlesung. Wir nehmen mit der Malerei an der Burgpforte und der Bronzestatue vorlieb, ehe wir uns für den Marathontag noch einmal stärken.
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Aufgrund meines Outfits falle ich auf und werde von Gundula und Ralf angesprochen. Beide vom Orgateam und froh, dass die Vorbereitung wieder einmal so gut geklappt hat. Ein Aufwand, der sich wieder einmal gelohnt hat. Über 700 Teilnehmer, davon132 Marathonis, haben sich vorangemeldet und nehmen die verschiedenen Laufangebote dankend an. Ursprünglich wurden nur Strecken über 5, 10 und 30 Kilometer angeboten. Geplant als Vorbereitung für andere Marathonläufe. Doch der Marathon blieb immer im Hinterkopf und wird, nachdem die geplante Premiere starkem Schneefall zum Opfer fiel, seit der 43. Auflage regelmäßig angeboten. Glück für mich und alle Marathonsammler.
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Bei einer Startzeit von 9.30 Uhr können wir am Sonntag noch entspannt frühstücken. An der Startnummernausgabe, die ab 7.30 Uhr geöffnet ist, bekomme ich zu dieser Zeit umgehend meine Startnummer. Danach habe ich sogar noch einmal Zeit, gemütlich Kräfte für den Lauf zu tanken. Um 8.45 Uhr zurück am Ort des Geschehens, ist die Vorhalle der Schule jetzt gut gefüllt. Etwa die Hälfte aller Teilnehmer haben für die beiden längsten Strecken gemeldet und warten gespannt, als Erste auf die Strecke gelassen zu werden. Dazu müssen wir nur zeitig in den Startbereich direkt vor der Schule wechseln. Die Läufermasse füllt rechtzeitig den Bereich vor dem Startbanner. Angeregte Unterhaltungen lassen den Ansager kaum durchdringen. Doch den wichtigen Countdown bekommt jeder mit, sodass wir pünktlich auf die Strecke gelassen werden. Wir umrunden die Schule und laufen in Richtung Westen zum Winterstein.
Die Strecke ähnelt von oben betrachtet einem Ballon. Die ersten 4 Kilometer bilden dabei die Schnur und sind auf dem Rückweg in umgekehrter Richtung zu laufen. Dann wird es leicht bergab gehen. Bevor ich das Waldgebiet um den Winterstein erreiche, überquere ich die B 3 und durchlaufe Ockstadt, den westlichen Vorort von Friedberg. Immer leicht bergan, versuche ich im noch geschlossenen Feld langsam anzulaufen. Was mir nur eingeschränkt gelingt. Voraus grüßt schon der Fernsehturm am Steinkopf, zu dessen Füßen ich bei KM 24 stehen werde.
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So erreiche ich nach 4 Kilometern über die A 5 hinweg die erste Verpflegungsstation. Es gibt Iso und Wasser. Zu diesem Zeitpunkt ausreichend, zumal heute nicht unbedingt mit Sonnenschein zu rechnen ist. Jürgen schließt zu mir auf. Als laufender Reporter bin ich erkannt. Gute Gelegenheit, die nächsten Kilometer gemeinsam unterwegs zu sein. Leicht wellig geht es bis KM 9 nach Süden. Für Unterhaltung ist schnell gesorgt, da wir neben Laufgeschichten weitere Infos austauschen können. Er hat doch tatsächlich auch familiäre Beziehungen in meinen Heimatkreis. Im angenehmen Gespräch verschwindet auch das Rauschen der nahen Autobahn.
Nach KM 9 fällt das Sprechen langsam schwerer, denn nun geht es merklich bergauf. Zeit für die erste Gehpause. Bei heute etwa 660 zu bewältigenden Höhenmetern darf das ruhig sein. Wegegraffitis muntern auf und animieren, in den Laufschritt zurück zu kommen. So gelingt der Aufstieg. Kurz hinter KM 11 der nächste VP. Das Wasser tut gut. Nieselnd kommt jetzt Nasses auch von oben. Ich schicke ein Stoßgebet zu Petrus, dass es nicht mehr wird. Nasse Füße hatte ich diese Jahr in Wesel ja schon. Ohne zu viel vorweg zu nehmen, heute bleiben sie trocken. Genauso, wie die gut zu belaufenden Waldwege. Nach den letzten sonnigen Wochen können ihnen ein paar Tropfen nichts anhaben.
KM 13: Rechts begleitet mich der Zaun eines Bundeswehrdepots. Ob dieses Gelände wohl früher von den Amis genutzt wurde? Ob Elvis hier seinen Dienst verrichten musste? Kaum zu vermuten, denn ein Denkmal zu seinen Ehren werde ich an der heutigen Laufstrecke nicht finden. Dafür findet mich ab KM 14 die Sonne wieder. Völlig unerwartet, denn meine Wetter App sagte etwas vollkommen anderes voraus. Ist denn auf nichts mehr Verlass? Doch, auf Jürgen, der immer noch neben mir läuft und der nächste VP, der am Ende des Zaun wartet. Jetzt gibt es zusätzlich Tee, Äpfel, Bananen, Cracker und Schokoriegel. Ein Genuss, den ich noch einmal haben werde, denn an dieser Stelle endet die Zusatzschleife für den Marathon, um auf die klassische 30 KM-Runde wieder einzubiegen. Die Kilometerschilder weisen ab jetzt auch die zusätzlich 12,2 KM aus. Ansporn oder Drohung? Mir fallen die Schritte jetzt schon so schwer, dass ich Jürgen ziehen lassen muss.
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17 Kilometer liegen hinter mir. Die Steigung der Strecke ist zwar nicht knackig, dafür lang. Sie zieht sich jetzt schon, wie Kaugummi. Während ich mühsam wie ein Eichhörnchen die Meter sammle, überholt mich Kay-Uwe. Er wird den Marathon in 2:46 Stunden gewinnen, was für eine Leistung. Da kann ich nur staunend hinterher schauen. Genau wie bei Maurice und Sven, die auf den nächsten Plätzen folgen. Dabei geht Sven noch ein paar Schritte mit mir. Er meint, dass es unter 3 Stunden noch werden wird. Und es wird tatsächlich eine Punktlandung.
Ich wage es nicht, heute eine Schätzung dazu abzugeben. Dafür hänge ich mich an Kerstin, die über die 30 KM unterwegs ist. Im gemeinsamen Lauf habe ich wieder Luft für ein Schwätzchen. Nur schade, dass ich mich bei KM 22 von ihr verabschieden muss. Denn während sie talabwärts dem Ziel entgegenläuft, ruft mich noch der Berg. Hier beginnt die Zusatzschleife für den Marathon und führt jetzt steil hinauf zum Steinkopf. Dafür qualifiziert habe ich mich dadurch, dass ich bis hierher weniger als 3 Stunden gebraucht habe.
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Ich erklimme den Steinkopf walkend. Besser schnell gegangen, als langsam gelaufen. Nina schließt sich mir an. Sie ist auch schon Ultramarathon erfahren und weiß, wie man solche Strecken am besten bewältigt. Gemeinsam erreichen wir den Gipfel. Der weithin sichtbare Fernsehmast wartet schon, und natürlich der nächsten VP. Ab jetzt führt die Strecke weitgehend bergab ins Ziel. Erleichtert traben wir hinab. Tatsächlich läuft es erst einmal wieder rund. Auch bei mir. Ein aufmerksamer Streckenposten leitet uns nach links auf ein kurzes Wendepunktstück.
28,2 KM: das rote Schild steht direkt vor dem Zaun des Bundeswehrdepots, der jetzt links von uns der Strecke folgt. Das Ende des Zusatzstücks naht. Das Buffet ist auch für das hintere Feld noch ausreichend gedeckt. Mir reichen Tee und Apfel, um frisch gestärkt das letzte Drittel zu bestehen. Auch wenn ich auf Nina noch einen frischen Eindruck mache, muss ich auch sie kurz darauf ziehen lassen. Die Unterhaltung wird mir auf den letzten Kilometern fehlen, denn ab hier bin ich allein unterwegs. Dafür genieße ich die Stille im Wald, nur durchbrochen durch das Zwitschern der Vögel.
Im Wechsel von Laufen und Gehen komme ich voran. Ab und zu kann ich den Läufer vor mir noch erblicken. Nach hinten ist die Strecke verwaist. Zumindest werde ich nicht zu langsam. So erreiche ich den VP kurz vor KM 34. Gundula begrüßt mich freudig. Ich freue mich auch, sie, wie angekündigt, zu sehen. Das muss bei Ralf heute nicht mehr sein, denn der fährt den Besenwagen. Weshalb ich mich zügig weiter auf den Weg ins Ziel mache.
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Ich lasse es bergab rollen, so gut es noch geht. KM 36, ich biege nach rechts ab und werde tatsächlich noch einmal überholt. Da hat sich einer die Körner gut eingeteilt. Von links hört man den Verkehr auf der Autobahn. Bis zum VP bei KM 38,2 begleitet er mich. Hier darf ich noch einmal auftanken für das Finale.
Über die Brücke geht es zurück nach Ockstadt und Friedberg. Die Strecke ist bekannt und birgt keine Überraschungen mehr, nur einzelne verbliebene Höhenmeter. Ich trabe gemütlich aus. Friedberg habe ich vor Augen. Links grüßt der markante Adolfsturm. Er steht in einer der größten Burganlagen Deutschlands, in der man sogar wohnen kann. Außerdem ist dort ein Gymnasium beheimatet.
Als letzte „Herausforderung“ bleibt die Überquerung der B3. Dann habe ich gerade voraus das Ziel vor Augen. Silke wartet schon. Ich freue ich, sie zu sehen, über mein Finish und die redlich verdiente Medaille. Nur den typischen Hüftschwung des King habe ich nicht mehr drauf.
Die liebevoll und hervorragend organisierte Veranstaltung endet für mich mit einem Finisherbier. Der Marathon in Friedberg rockt und hat noch viele erfolgreiche Austragungen verdient.
Sieger:
Damen
1. Marta Dlugosz, 3:20:08
2. Mona Winter, 3:24:00
3. Nicole Bäcker, 3:46:04
Herren
1. Kay-Uwe Müller, 2:46:41
2. Maurice Moufang, 2:56:53
3. Sven Höller, 2:59:58
Impressionen
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Laufberichte | ||||||
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17.03.19 | ![]() |
Verspätete Premiere |
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Andreas Greppmeir |